Geköpfte und entblätterte Rüben - Praxisvergleich
Zu Ertrag und Qualität entblätterter Rüben in Deutschland liegen noch zu wenige Ergebnisse vor, um das Verfahren objektiv bewerten zu können. Deshalb wurden in der Kampagne 2009 in verschiedenen Zuckerrübenanbaugebieten Versuche durchgeführt, bei denen Rüben auf einem Standort in einem Paarvergleich entblättert und geköpft gerodet wurden.
Für die Versuche wurden insgesamt zehn Standorte mit homogenem Zuckerrübenbestand ausgewählt, die ein breites Spektrum an unterschiedlichen Anbaubedingungen umfassten. Das Köpfen und Entblättern der Rüben erfolgte mit zwei KRB6 SF gleicher Bauweise. Dabei war einer mit den herkömmlichen Köpfaggregaten ausgerüstet, während der zweite die Rüben mit einer vorlaufenden Multiwelle und folgender Putzerwelle mit Gummischlegeln entblätterte.
Bei dem Paarvergleich der Rodesysteme fuhren beide KRB6 SF versetzt nebeneinander und rodeten abwechselnd mehrere Spuren. Die Rodegeschwindigkeit betrug 5-6 km h-1 und mit standortangepasster Einstellung der Nachköpfer bzw. Schlegelwellen. An jedem Standort wurden mindestens 2 ha geköpfte bzw. entblätterte Rüben gerodet.
Für jedes Rodesystem wurden Rüben separat auf einer Miete abgelegt und später zur Fabrik gefahren. Jeder LKW wurde zehnmal mit den üblichen Verfahren beprobt. Die technische Qualität wurde ausschließlich an nicht nachgeköpften Zuckerrüben analysiert. Die Daten aller Paarvergleiche wurden im Institut für Zuckerrübenforschung zusammengestellt und ausgewertet.
Erntequalität geköpfter und entblätterter Rüben
Von jeder Miete wurden 200 Rüben auf ihre Erntequalität bonitiert.
Im Mittel aller Standorte waren nur 50 % aller geköpften Rüben korrekt geköpft, 30 % waren mit Blattresten behaftet, 10 % waren zu hoch geköpft, aber ohne Blattrest, 6 % zu tief und 4 % schräg geköpft. Dies bildet die Praxis jedoch gut ab. Da nur etwa die Hälfte der Rüben nach Branchenvereinbarung korrekt geköpft war, ein großer Teil aber noch grüne Blattreste aufwies, besteht offensichtlich noch Potenzial, das Köpfen der Rüben zu optimieren.
Im Gegensatz dazu wiesen die entblätterten Rüben wesentlich weniger Blattreste auf. Durch Entblättern konnten im Mittel aller Standorte 80 % der Rüben ohne Verletzungen gerodet werden. Bei 7 % der Rüben wurden Verletzungen festgestellt, die durch zu tiefes Schlegeln hervorgerufen werden. Nur 2 % der Rüben waren mit Blattresten behaftet und 11 % der Rüben besaßen noch vereinzelte Blattreste.
Zuckerertrag geköpfter und entblätterter Rüben
Auf den untersuchten Standorten wurden Zuckererträge zwischen 9,4 und 17,6 t ha-1 erzielt. Der mittlere Zuckerertrag geköpfter Rüben lag bei 13,8 t ha-1 und war signifikant geringer als der mittlere Zuckerertrag von 14,2 t ha-1 bei entblätterten Rüben. Auffallend ist, dass an den Standorten 5, 9 und 10 ein deutlich überdurchschnittlicher Mehrertrag bei entblätterten Rüben gefunden wurde.
Bezogen auf praxisüblich geköpfte Rüben (=100 %) konnte durch Entblättern der Zuckerertrag somit im Mittel signifikant um 2,8 % erhöht werden. Die Ertragssteigerungen durch Entblättern resultieren hauptsächlich aus der höheren Rübenmasse durch Einbeziehung des Rübenkopfes bei ähnlichen Zuckergehalten wie in geköpften Rüben.Der Mehrertrag war in den Paarvergleichen geringer als bei manuell optimal geköpften Rüben, da nur etwa 50 % der Rüben optimal geköpft waren. Der Ertragsvorteil in der Praxis resultiert auch daraus, dass zu tief geköpfte Rüben vermieden werden. Die Bewertung der zusätzlich gelieferten Rübenköpfe in der Fabrik erfolgt nach Branchenvereinbarung entweder individuell durch Nachköpfen oder Schätzen, oder aber pauschal durch einen Faktor.
Allerdings ist der höhere Zuckerertrag bei Entblätterung vor dem Hintergrund damit einhergehender weiterer Aufwendungen bzw. Kosten zu betrachten. Offene Fragen bestehen z. B. noch in der Höhe der Verfahrenskosten der Ernte, der Qualitätsbewertung und der Lagerungsverluste. In weiteren Untersuchungen ist zu prüfen, inwieweit, mit welchem Aufwand und mit welchen Kosten der in entblätterten Rüben enthaltene Zucker auch kristallin in der Fabrik gewonnen werden kann.
Vor einer Bewertung eines Systems entblätterter Rüben gilt es, eine umfassende Kosten/Nutzenbetrachtung über die gesamte Wertschöpfungskette zu erstellen. Dabei müssen Erlöse und Kosten aus allen Bereichen gegenübergestellt werden, um das System beurteilen zu können.

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