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Sorte und Sortenwahl bei Zuckerrüben und deren Wechselwirkung zu Umwelt und Qualitätsbezahlung

  • Autor/in: Wolf, I.
  • Jahr: 1995
  • Zeitschrift: Dissertation
  • Verlag: Cuvillier Verlag Göttingen
  • ISBN: 3-89588-35

Abstract

Ziel der vorliegenden Arbeit war, den Einfluß der Sorte auf Ertrags- und Qualitätsmerkmale von Zuckerrüben in Abhängigkeit von Standort und Jahr für den Zuckerrübenanbau in Deutschland zu bewerten. In diesem Zusammenhang wurde auch die Einteilung möglicher Regionen für die Differenzierung der Sorten untersucht. Von besonderem Interesse war weiterhin, ob unterschiedliche Bezahlungssysteme vor allem durch Qualitätsprämien eine regionale Differenzierung der Zuckerrübensorten im Geldrohertrag verursachen und damit die Sortenwahl beeinflussen. Die Bedeutung der Sorte und ihrer Wechselwirkungen zu Standort und Jahr für pflanzenbauliche und ökonomische Kenngrößen der Zuckerrübe wurde in zwei orthogonalen Versuchsserien des überregionalen Sortenleistungsvergleiches von 1988 bis 1990 mit 14 Sorten an 20 Standorten und von 1991 bis 1993 mit 11 Sorten an 22 Standorten untersucht. Dabei konnten nach der Wiedervereinigung auch Standorte in Anbaugebieten Ostdeutschlands berücksichtigt werden. Die Umwelt als Summe der Hauptwirkungen von Standort und Jahr sowie deren Wechselwirkung übte einen geichbleibend dominierenden Einfluß auf die Ertrags- und Qualitätsmerkmale der Zuckerrübe aus (Varianzanteil > 85 %). Von größter Bedeutung war zumeist die Wechselwirkung zwischen Standort und Jahr. Sie beeinflußte den Bereinigten Zuckerertrag mit einem Varianzanteil von 53,1 % (1988-1990) bzw. 59,9 % (1991-1993). Neben der individuellen Kombination aus Witterungs- und Standortfaktoren, scheinen vor allem „unspezifische“ Einflußgrößen wie Aussaat- und Erntezeit sowie Erntetechnik in Sortenversuchen wirksam zu sein. Die Hauptwirkungen von Standort und Jahr erreichten beim Bereinigten Zuckerertrag Varianzanteile von 31,1 % und 10,8 % (1988-1990) bzw. 8,6 % und 28,8 % (1991-1993). Dabei war das Jahr von größerer Bedeutung für die Ausprägung der Ertragsmerkmale, während der Standort stärker auf die technische Qualität der Zuckerrübe wirkte. Im Vergleich zur Wirkung der Umweltfaktoren war der Einfluß der Sorte auf Ertrags- und Qualitätsmerkmale der Zuckerrübe gering, aber zumeist signifikant. Die Sorte beeinflußte vor allem die Qualität der Zuckerrübe mit Varianzanteilen von 11,7 % (1988-1990) bzw. 7,8 % (1991-1993) für den Zuckergehalt und von 5,5 % (1988-1990) bzw. 3,9 % (1991-1993) für den Ausbeuteverlust. Demgegenüber wies der Rübenertrag deutlich geringere sortenbedingte Varianzanteile von 4,1 % (1988-1990) bzw. 2,7 % (1991-1993) auf. Der Einfluß der Sorte auf das Kombinationsmerkmal Bereinigter Zuckerertrag war mit 1,1 % Varianzanteil in der Versuchsserie 1988 bis 1990 sehr gering und existierte für das Prüfsortiment von 1991 bis 1993 nicht mehr (Varianzanteil 0,0 %). Es bestand eine enge negative Korrelation zwischen dem Zuckergehalt (ZG) einerseits und dem Rübenertrag (RE= -1,64 ZG+264,35, r²=0,94**) sowie dem Ausbeuteverlust (AV= -1,32 ZG+231,73, r²=0,68**) andererseits (Regressionen auf Basis relativer Sortenergebnisse), so daß die Sortenvarianz im Kombinationsmerkmal Bereinigter Zuckerertrag kompensiert wurde. Dieser Effekt wurde durch eine relativ geringe Variationsbreite der Einzelmerkmale in der Versuchsserie 1991 bis 1993 verstärkt. Die Einteilung in E-, N- und Z-Sorten nach relativem Zuckergehalt war gegeben, wobei nur tendenzielle Unterschiede im Zuckerrertrag zugunsten ertragsbetonter Sorten festgestellt werden konnten. Die technische Qualität der Zuckerrübensorten variierte aber signifikant. Zuckerbetonte Sorten wiesen einen geringeren Gehalt an Melassebildnern und damit eine bessere technische Qualität auf als ertragsbetonte Sorten. Die Wechselwirkungen zwischen Sorte und Standort, Sorte und Jahr sowie zwischen allen drei Faktoren waren signifikant, aber mit Varianzanteilen von zumeist weniger als 1 % unbedeutend. Bei Einbeziehung östlicher Anbaugebiete mit stärker kontinental geprägtem Klima konnte keine größere Wechselwirkung zwischen Sorte und Standort festgestellt werden. Die zusätzlich nach dem Regressionsansatz von EBERHART und RUSSEL bestimmten sortenspezifischen Stabilitätsparameter ba (Regressionskoeffizient der alten Sorte) und ∑ d²ae (Abweichung von der Regressionsgeraden der Sorte a) ließen ebenfalls keine wesentlichen Unterschiede in der Sortenreaktion auf verschiedene Umwelten erkennen. Die geprüften Sorten zeichneten sich daher durch eine hohe ökologische Anpassungsfähigkeit bezüglich der Anbaubedingungen für Zuckerrüben in Deutschland aus. Eine Einteilung der Standorte in Regionen, die sich nach ökologischen, verfahrenstechnischen oder organisatorischen Kriterien voneinander unterscheiden, konnte nicht nachvollzogen werden, da der Standorteffekt innerhalb der Region un-abhängig vom Merkmal hoch signifikant war (Varianzanteil bis 64,4 %). Mit Ausnahme des Natrium-Gehaltes existierte keine signifikante Wechselwirkung zwischen Sorte und Region. Für die Bewertung von Zuckerrübensorten sollte ein über-regionaler Mittelwert für die Ertrags- und Qualitätsmerkmale je Sorte bestimmt werden. Nach den vorliegenden Untersuchungen ist ein Prüfnetz aus mindestens 5 Standorten bei Auswertung in dreijährigen Versuchsserien für eine akzeptable Schätzgenauigkeit der Ertrags, und Qualitätsmerkmale von Zuckerrübensorten erforderlich. Mit mehr als 20 Prüfstandorten kann jedoch keine wesentliche Verbesserung der Aussagegenauigkeit einer dreijährigen Versuchserie mehr erzielt werden. Bei den geringen Leistungsunterschieden zwischen den Sorten ist vielmehr die Präzision des Einzelversuchs von großer Bedeutung. Eine Modellstudie zur ökonomischen Bewertung der Sorte zeigte, daß für die Sortenwahl der spezifische Geldrohertrag auf Basis des regionalen Bezahlungssystems zu ermitteln ist. Bei Bezahlung ausschließlich nach Zuckergehalt erzielten NE-Sorten einen geringeren Rübenpreis als Z-Sorten, aber wegen ihres höheren Zuckerertrages den höchsten Geldrohertrag. Die Differenzierung zwischen NE- und Z-Sorten relativ zum Mittel des Sortimentes nahm über die Merkmale Rübenertrag (7,0 %-Punkte), Rübenpreis (5,4 %-Punkte) und Geldrohertrag ohne Qualitätsprämie (2,0 %-Punkte) deutlich ab. Bei Bezahlungssystemen mit zusätzlicher Prämierung der technischen Qualität wurden zuckerbetonte Sorten relativ stärker gerfördert als ertragsbetonte Sorten, so daß unabhängig vom Sortentyp ein annähernd gleicher Geldrohertrag erzielt wurden. Unter den gegebenen Modellannahmen konnte aber ab einer Differenz von etwa 0,16 DM/dt Rüben in der Qualitätsprämie von einer Anbauwürdigkeit von Z-Sorten ausgegangen werden. Der Bereinigte Zuckerertrag als kombiniertes Ertrags- und Qualitätsmerkmal erwies sich zur spezifischen Sortenwahl als ungeeignet. Bei Bezahlung nach Zuckermarktordnung führt er zu einer Überbewertung der Qualität im Vergleich zum Zuckerertag. Dagegen bewertet der Bereinigte Zuckerertag die Rübenqualität im Vergleich zum Geldrohertrag mit zusätzlich gewährten Qualitätsprämien um so niedriger, je höher die Qualitätsprämie ist.
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