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Epidemologie von Cercospora beticola Sacc. und Befalls-Verlust-Relationen bei Zuckerrüben (Beta vulgaris L.) in Abhängigkeit von der Anfälligkeit von Sorten und Konsequenzen für sortenspezifische Bekämpfungsschwellensysteme

  • Autor/in: Kaiser, U.
  • Jahr: 2007
  • Zeitschrift: Dissertation 22
  • Verlag: Cuvillier Verlag Göttingen
  • ISBN: 978-3-86727-415-9

Abstract

Der bedeutendste Erreger von Blattflecken in Zuckerrüben ist Cercospora beticola (Sacc.). Der Pilz reduziert durch eine Verringerung der photosynthetisch aktiven Blattfläche die Assimilatbildung und -einlagerung, woraus letztlich Verluste an Ertrag und Qualität resultieren. Das Sortenspektrum für Zuckerüben in Deutschland umfasst sowohl Sorten mit mittlerer bis hoher als auch mit geringerer Anfälligkeit für Cercospora beticola. Die weniger anfälligen Sorten verfügen infolge intensiver Züchtung mittlerweile über ein ähnlich hohes Leistungspotential unter Nichtbefall wie anfällige Sorten, wobei vergleichende epidemiologische Untersuchungen sortenspezifisch im Rahmen der Wert- und Sortenprüfungen aus technischen Gründen nicht möglich sind. Um die Bedeutung des Züchtungsfortschritts bei der Resistenz gegen Cercospora beticola für den integrierten Pflanzenschutz zu untersuchen, wurden folgende Versuchsfragen bearbeitet: • Wie unterscheidet sich der Epidemieverlauf von Cercospora beticola bei Sorten mit unterschiedlicher Anfälligkeit? • Welche Unterschiede bestehen zwischen Sorten mit unterschiedlicher Anfälligkeit hinsichtlich der Befalls-Verlust-Relation? • Lassen sich sortenspezifische Bekämpfungsschwellensysteme für den Fungizideinsatz in Zuckerrüben ableiten? Ziel dieser Arbeit war es daher, die Epidemologie des Erregers sowie die Auswirkungen eines Befalls auf Ertrag und Qualität, insbesondere auf den Bereinigten Zuckerertrag (BZE), an alten weniger anfälligen und unter Nichtbefall leistungsschwächeren Sorten im Vergleich mit neuen weniger anfälligen, leistungsstärkeren Sorten und anfälligen Sorten zu untersuchen und anhand von Befalls-Verlust-Relationen zu prüfen, ob sich sortenspezifische Bekämpfungsschwellensysteme ableiten lassen. Dazu wurden in 2004 und 2005 an je sieben Standorten in Deutschland und Österreich Feldversuche mit drei anfälligen, einer alten und zwei neuen weniger anfälligen Sorten sowie acht Bekämpfungsstrategien durchgeführt. Die Bekämpfungsstrategien umfassten neben der unbehandelten Kontrolle und der Gesundvariante, mit mehrmaliger statischer Fungizidbehandlung, sechs Varianten, die am summarischen Bekämpfungsschwellensystem 5/15/45 % Befallshäufigkeit (BH) kranker Blätter (Cercospora beticola, Erysiphe betae und Ramularia beticola) orientiert waren. Die Fungizidbehandlung erfolgte dabei ein- und zweimal termingenau (bei Überschreiten der Bekämpfungsschwelle) sowie 14 und 28 Tage verzögert bei der Erst- und Zweitbehandlung (Erstbehandlung in dem Fall termingenau). Ab Ende Juni wurden regelmäßig BH und Befallsstärke (BS) von Cercospora beticola erfasst und nach der Ernte wurden Rübenertrag, Zuckergehalt und die technische Qualität ermittelt. Die Entwicklung der BH folgte einem sigmoiden Verlauf bis auf einen Wert von 100%. Die summarische Bekämpfungsschwelle wurde in fast allen Umwelten (Standort x Jahr) und Sorten erreicht. Durch Anpassung einer logistischen Wachstumsfunktion an die Messwerte für die BH konnte festgestellt werden, dass Sortenunterschiede statistisch nicht existieren und alle Sorten in der gleichen Umwelt zu nahezu einheitlichem Termin die Bekämpfungsschwellen erreichten. Die anfälligeren Sorten erreichten mit zunehmendem Befallsdruck deutlich höhere BS. Durch Anpassung einer Wachstumsfunktion an die Messwerte und anschließender statistischer Analyse zu drei Zeitpunkten der BS- Entwicklung wurde festgestellt, dass bei einer BS zur Ernte (BSErnte) von über 20 % die Sortendifferenzierung signifikant war. Bei schwachem (BSErnte < 5 %) und mittlerem Befall (BSErnte 5-20 %) war dies nicht gegeben. Die area under disease progress curve (AUDPC) zeigte ebenfalls erst mit zunehmendem Befallsdruck eine Sortendifferenzierung, die jedoch nicht so eindeutig war, wie bei der BSErnte. Mit zunehmendem Befallsdruck unterschieden sich Sorten im BZE deutlich, Unterschiede zwischen anfälligen und weniger anfälligen Sorten waren aufgrund des insgesamt geringen und meist spät einsetzenden Befalls jedoch nur im Einzelfall signifikant. Die Behandlung nach dem summarischen Bekämpfungsschwellensystem führte bereits bei schwachem Befall (BSErnte < 5 %) zu signifikant höherem BZE als bei Nichtbehandlung, was mit sinkendem Rübenpreis und höheren Saatgutkosten einen abnehmenden, aber zumeist positiven ökonomischen Effekt hatte. Bei mittleren (BSErnte 5-20 %), vor allem aber bei starkem Befall (BSErnte > 20 %) wurden durch die zweimalige termingenaue Behandlung BZE-Verluste vermieden, während bei nur einmaliger Behandlung der BZE vermindert war. Signifikant negative Effekte einer zeitlichen Verzögerung der Erstbehandlung gegenüber der termingenauen Behandlung wurden nicht festgestellt, mit zunehmender Entfernung vom optimalen Applikationszeitpunkt ging der BZE jedoch zurück. Aufgrund fehlender Interaktionen zwischen Sorte und Bekämpfungsstrategie konnten sortenspezifische Reaktionen auf eine zeitliche Verzögerung von Behandlungen statistisch nicht nachgewiesen werden. Mit zunehmendem Befall reagierten die weniger anfälligen Sorten jedoch tendenziell weniger empfindlich auf eine verspätete Fungizidapplikation und mit höherem BZE. Die Befalls-Verlust-Relation von BZE und BSErnte bzw. AUDPC war für alle Sorten etwa gleich. Die weniger anfälligen Sorten pufferten einen Befall jedoch stärker ab, erreichten auch noch im Bereich höherer BSErnte bzw. AUDPC einen BZE wie unter Nichtbefall und hatten somit bei starkem Befall einen Vorteil gegenüber anfälligen Sorten. Sortenspezifische Bekämpfungsschwellensysteme konnten nicht abgeleitet werden und werden sortenspezifisch für die Praxis allgemein nicht als relevant angesehen. Grundsätzlich konnte jedoch festgestellt werden, dass der zeitliche Spielraum für eine Bekämpfungsentscheidung bei weniger anfälligen Sorten größer ist. Dies trägt vor allem in Zeiten mit Arbeitsspitzen zu einer Entlastung der Landwirte bei. Zudem kann durch den Anbau weniger anfälliger Sorten eine Reduktion des Einsatzes chemischer Pflanzenschutzmittel, wie im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes gefordert, ermöglicht werden.
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