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Entblätterte Rüben

  • Status: abgeschlossen
  • Mitarbeiter/in: Antje Wulkow
  • Betreuer/in: Christa Hoffmann
  • Kategorie: Ernte, Qualität
Donnerstag, 20 November 2014 00:00

Seit Beginn der Zuckergewinnung wird bei der Ernte von Zuckerrüben der unerwünschte Blattapparat von der Rübe entfernt. Dabei wird auch ein Teil des Rübenkopfes abgeschnitten. Als Möglichkeit, den gewachsenen Ertrag vollständig zur Verarbeitung zu bringen, werden die Rüben bei der Ernte häufig nur noch entblättert und nicht mehr geköpft. Um für eine Beurteilung der Rodesysteme 'Köpfen' und 'Entblättern' eine zuverlässige Datenbasis zu schaffen, wurden am IfZ umfassende Untersuchungen durchgeführt.  

Der Rübenkörper der Zuckerrübe untergliedert sich botanisch in den oberen Abschnitt der gestauchten Sprossachse mit lebenden Blattansätzen, den unteren Abschnitt der gestauchten Sprossachse mit abgestorbenen Blattansätzen, das Hypokotyl und die Wurzel mit Wurzelrinne.

Der optimale Köpfschnitt liegt unterhalb der lebenden, grünen Blattansätze. Die geköpfte Rübe setzt sich demnach aus Wurzel, Hypokotyl und einem kleinen Anteil der Sprossachse mit abgestorbenen Blattansätzen zusammen.

 Morphologische Segmente des Rübenkörpers

Gibt es Unterschiede im Rübenkopf zwischen Sorten?

 

 Es wird diskutiert, ob Sorten auch Unterschiede im Rübenkopf aufweisen. Der Rübenkopf stellt den biologisch möglichen Ertragszuwachs dar, der beim Entblättern zu erreichen ist. Wenn einzelne Sorten sich daher durch einen größeren Kopf im Vergleich zu anderen Sorten auszeichnen, wäre mit diesen Sorten eine höhere Ertragssteigerung beim Entblättern möglich.

 

 In Versuchen mit acht Sorten war der Rübenertrag im Mittel aller Sorten bei entblätterten Rüben um 9,1 % höher, der Zuckergehalt um 2,8 % geringer und der Standardmelasseverlust um 5,3 % höher als bei optimal geköpften Rüben. Somit stieg der Bereinigte Zuckerertrag um 5,2 %.  Alle geprüften Sorten haben mit ähnlichen relativen Veränderungen reagiert; es gab keine signifikanten Unterschiede zwischen den Sorten. Das bedeutet, dass sich die für eine Sorte typischen Ertrags- und Qualitätsmerkmale im Rübenkopf fortsetzen.

 grafik entblaetterte rueben

Geköpfte und entblätterte Rüben - Praxisvergleich

 

 In der Kampagne 2009 und 2010 wurden in verschiedenen Zuckerrübenanbaugebieten 10 Versuche durchgeführt, bei denen Rüben auf einem Standort in einem Paarvergleich entblättert und geköpft gerodet wurden. Die Roder fuhren versetzt nebeneinander und rodeten abwechselnd mehrere Spuren. Für jedes Rodesystem wurden die Rüben separat zur Fabrik gefahren. Die technologische Qualität wurde ausschließlich an nicht nachgeköpften Zuckerrüben analysiert. Die Daten aller Paarvergleiche wurden im Institut für Zuckerrübenforschung zusammengestellt und ausgewertet.
 
Erntequalität geköpfter und entblätterter Rüben

 

 

 Etwa 60 % der Rüben waren korrekt oder zu hoch geköpft, an 30 % waren Blattresten vorhanden, 6 % waren zu tief geköpft. Dies bildet die Praxis gut ab. Im Vergleich dazu wiesen die entblätterten Rüben wesentlich weniger Blattreste auf.

Praxisvergleich

 

 

 


 
Zuckerertrag geköpfter und entblätterter Rüben

 

 Auf den untersuchten Standorten wurden Zuckererträge zwischen 9,4 und 17,6 t ha-1 erzielt. Bezogen auf praxisüblich geköpfte Rüben (=100 %) konnte durch Entblättern der Zuckerertrag im Mittel signifikant um 2,8 % erhöht werden, hauptsächlich aufgrund des höheren Rübenertrags.

 

 Der Mehrertrag bei entblätterten Rüben war in den Praxisvergleichen geringer als bei manuell geköpften Rüben, da die Rüben nicht immer optimal geköpft waren. In der Praxis ist jedoch schon alleine dadurch ein Ertragsvorteil zu erreichen, dass zu tief geköpfte Rüben vermieden werden. Vor einer Bewertung eines Systems entblätterter Rüben gilt es, eine umfassende Kosten/Nutzenbetrachtung über die gesamte Wertschöpfungskette zu erstellen. Dabei müssen Erlöse und Kosten aus allen Bereichen gegenübergestellt werden, um das System beurteilen zu können.

 

Lagerung im Klimacontainer

  Lagerungsverluste steigen erheblich an, wenn die Rüben beschädigt sind. Auch der Köpfschnitt stellt eine wesentliche Beschädigung dar. Auf der anderen Seite können Rüben erneut Blätter austreiben, wenn die Blattknospen nicht entfernt sind. Beide Prozesse führen zu einer Umsetzung von Zucker für die Veratmung.


Im IfZ wurden Lagerungsverluste mit geköpften und entblätterten Rüben durchgeführt. Dabei wurden die Rüben unter kontrollierten Bedingungen bei zwei unterschiedlichen Temperaturen in Klimacontainern gelagert. Es zeigte sich, dass es keine wesentlichen Unterschiede in den Lagerungsverlusten zwischen geköpften und entblätterten Rüben gab, allerdings wiesen zu tief geköpfte Rüben auffällig hohe Zuckerverluste auf.


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