Betriebsbefragung zur Produktionstechnik im Zuckerrübenanbau

Projektdaten

  • Titel: Betriebsbefragung zur Produktionstechnik im Zuckerrübenanbau
  • Status: aktiv
  • Mitarbeiter/in: Christel Roß, Nicol Stockfisch
  • Kategorie: Integrierter Pflanzenschutz, Anbausysteme, Umweltwirkungen

Die Landwirtschaft agiert in einem Spannungsfeld zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Anforderungen und Wirtschaftlichkeit. Wie jede andere Berufsgruppe müssen Landwirte und Landwirtinnen von ihrer Arbeit leben. Dazu kommen Aufgaben, die Gesellschaft und Politik fordern, wie die Produktion gesunder, qualitativ hochwertiger und preiswerter Agrarrohstoffe. Außerdem wird zugleich ein hohes Maß an Umweltverträglichkeit und Ressourcenschonung in der gesamten Wertschöpfungskette gefordert. Inbegriffen sind die Anbauverfahren, wobei hier die Auswirkungen der landwirtschaftlichen Bodennutzung auf die Umwelt-Schutzgüter Boden, Wasser, Klima und Biodiversität im Fokus stehen. Ein gewähltes Anbauverfahren muss also immer mehrere Anforderungen erfüllen, sowie an die jeweiligen Umweltbedingungen angepasst sein.

Für Politikberatung, Anbauerberatung und die Erarbeitung neuer wissenschaftlicher Forschungsfragen ist die Kenntnis des Status quo notwendig. Dabei ist es besonders wichtig, dass der aktuelle Sachstand über ganz Deutschland erhoben wird, da gängige Anbauverfahren nicht selbstverständlich von einer Region auf eine andere übertragen werden können.

Die von uns entwickelte Betriebsbefragung basiert auf einem Online-Fragebogen, der jährlich von über 300 Betriebsleitern beantwortet wird. In allen Zuckerrüben-Anbaugebieten bundesweit sprechen Anbauerverbände und Zuckerunternehmen die jährlich wechselnden Betriebe an. Die Daten werden anonymisiert ans IfZ übermittelt. Es werden schlagspezifische Daten zum Zuckerrüben-Anbauverfahren auf dem größten Zuckerrübenschlag des Betriebs von der Ernte der Vorfrucht bis zur Ernte der Zuckerrübe erfragt. Das umfasst Informationen zu allen ackerbaulichen Maßnahmen wie Fruchtfolge, Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz und Düngung, aber auch eingesetzte Maschinen oder biodiversitätsfördernde Maßnahmen auf den befragten Betrieben.

Ziel der Betriebsbefragung zur Produktionstechnik ist es, belastbare Daten zusammenzufassen, welche die aktuelle betriebliche Praxis des Zuckerrübenanbaus repräsentieren. Die Abfrage aller Kennwerte auf Ebene eines Schlages ermöglicht es, Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Anbaumaßnahmen zu untersuchen. Neben der Darstellung von Entwicklungen über die Zeit und einer Variabilität zwischen verschiedenen Feldern werden dadurch auch komplexere Fragestellungen analysierbar. Zukünftig notwendig wären beispielsweise Analysen, die helfen, Zielkonflikte bei der Weiterentwicklung der Anbauverfahren zu veranschaulichen.

Ergebnisse aus der Betriebsbefragung

Mulchsaat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit 1994 ist der Anteil der Flächen, auf denen die Zuckerrüben in Mulch gesät werden, von 10 % (1994) auf 61 % (2018) angestiegen. Der Anteil Mulchsaat setzt sich zusammen aus Strohmulch und Zwischenfruchtmulch.
Quelle: IFZ-Jahresbericht 2018/2019

Zwischenfruchtanbau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Anteil der Zuckerrübenschläge, auf denen Zwischenfrüchte vor Zuckerrüben angebaut wurden, ist seit 2010 angestiegen. Dabei wurden in den letzten Jahren nach Einführung des Greenings im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) zum großen Teil Zwischenfruchtmischungen angebaut.
Quelle: IFZ-Jahresbericht 2018/2019

Fruchtfolge

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anhand der Informationen über die Kulturen auf dem größten Zuckerrübenschlag des Betriebs in den letzten 5 Jahren vor dem Anbau der Zuckerrüben, werden verschiedene Fruchtfolgen identifiziert. Die Grafik zeigt, dass der Anteil der reinen Getreide-Zuckerrübenfruchtfolgen abgenommen hat. Häufiger geworden sind Fruchtfolgen mit Mais und Raps. Die Entwicklung der Fruchtfolgen ist in allen Regionen in Deutschland ähnlich, wenn auch auf unterschiedlichem Niveau. Im Osten dominieren Fruchtfolgen mit Raps (44 % in 2010 und 77 % in 2018), während die reine Getreide-Zuckerrüben-Fruchtfolge eine untergeordnete Rolle spielt (24 % in 2010 und 17 % in 2018). Im Norden dagegen dominiert die reine Getreide-Zuckerrüben-Fruchtfolge (46 % in 2010 und 40 % in 2018). Im Süden dominieren die reine Getreide-Zuckerrüben-Fruchtfolge (47 % in 2010 und 33 % in 2018) sowie Fruchtfolgen mit Mais (27 % in 2010 und 34 % in 2018). Im Westen ging die Entwicklung von einer Dominanz der reinen Getreide-Zuckerrüben-Fruchtfolgen (38 % in 2010) weg. In 2018 waren im Westen Fruchtfolgen mit Mais, mit Raps, reine Getreide-Zuckerrübenfruchtfolgen und sonstige Fruchtfolgen gleichbedeutend mit ca. 20 % vertreten. Nur Kartoffeln in der Fruchtfolge gab es in lediglich 15 % der Betriebe.

Region

Zugeordnete Bundesländer

Norden

Niedersachsen, Schleswig-Holstein

Osten

Sachsen-Anhalt, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Brandenburg

Süden

Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz

Westen

Nordrhein-Westfahlen

Quelle: IFZ-Jahresbericht 2018/2019

Stickstoffdüngung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Grafik zeigt Mittelwerte über alle Betriebe eines Befragungsjahres und beinhaltet auch eine Düngung zu Zwischenfrüchten im Herbst. In den Jahren 2016, 2017 und 2018 ist die N-Düngung zu Zuckerrüben im Vergleich zu den Vorjahren im Durchschnitt etwas zurückgegangen. Die N-Düngung setzt sich zusammen aus mineralischer (67 % in 2018) und organischer Düngung (33 % in 2018). 46 % der Betriebe haben in 2018 ausschließlich mineralisch gedüngt, 38 % organisch und mineralisch und 11 % ausschließlich organisch. Der größere Teil des organischen Stickstoffs wird im Herbst (zu den Zwischenfrüchten) gegeben (62 % in 2018).
Quelle: IFZ-Jahresbericht 2018/2019

Pflanzenschutz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Erfassung der Pflanzenschutzintensität für verschiedene Kulturen in Deutschland ist über die Pflanzenschutz-Rahmenrichtlinie geregelt. Für Zuckerrüben werden entsprechende Daten im Rahmen der Betriebsbefragung zur Produktionstechnik im Zuckerrübenanbau generiert und zur Auswertung anonym an das Julius Kühn-Institut weitergeleitet. Die Intensität des chemischen Pflanzenschutzes in Zuckerrüben (ausgedrückt durch den Behandlungsindex = Summe der angewendeten Menge aller Pflanzenschutzmittel (Spritzbehandlungen) bezogen auf die zugelassene Menge und die Teilfläche) ist stark jahresabhängig. Besonders der Einsatz von Insektiziden (neben den Neonicotinoiden in der Pillenhüllmasse) ist bis 2018 in manchen Jahren im Zuckerrübenanbau kaum nötig gewesen. Wie sich der Einsatz der Insektizide ohne Neonicotinoide entwickelt, wird sich in den nächsten Jahren der Befragung zeigen. Weitere Informationen zur Pflanzenschutz-Rahmenrichtlinie, zur Berechnung des Behandlungsindexes und weiteren Kennzahlen sowie zur Pflanzenschutzintensität in anderen Kulturen findet man unter https://papa.julius-kuehn.de
Quelle: IFZ-Jahresbericht 2018/2019

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Veröffentlichungen

Stockfisch, N., M. Gallasch, H. Reineke, K. Trimpler, C. Mielke, M. Reiners, P. Risser, K. Schmitz, B. Märländer, 2013, Sugar Industry 138, S. 656-663
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